Was so ein bisschen bedrucktes Papier ausmacht …

Es begab sich aber zu der Zeit, als ein mutmaßlicher Verbrecher vor dem Gericht des ehrenwerten Richter Davies in Liverpool stand um sich gegen den Vorwurf des Einbruchs/Diebstahls zu verteidigen. Soweit eigentlich noch nichts Besonderes. Die Verhandlung mit Verteidiger, Ankläger und Geschworenen lief ganz regulär ab, bis dann die Aussage des bestohlenen Geschäftsinhabers Kerim Kurt gehört wurde. Doch dann geschah das Unglaubliche

Zeuge und Zuschauer wurden aus dem Gericht gebracht, der Richter offenbarte was furchtbares passiert war: Der Zeuge hatte – wie auch die anderen bereits gehörten Zeugen – seinen Eid auf die Bibel abgelegt. Blöd nur, daß er ein Moslem ist. Somit hätte er den Eid auf den Koran ablegen müssen … und da er (wohl unbemerkt) auf die Bibel schwor, ist seine Aussage natürlich automatisch unglaubwürdig, zumindest aber Grund, den Prozess komplett neu aufzurollen.

Mal ganz ehrlich: Warum beruft sich eine irdische Gerichtsbarkeit überhaupt auf wie auch immer geartete Glaubens-basierte Schwüre? Ich habe zumindest noch nicht gehört, daß jemand der/die auf ein heiliges Buch oder Dokument gleich welcher Glaubensrichtung einen Schwur abgelegt hat und – nun, sagen wir mal – die Wahrheit in irgendeiner Weise „flexibel“ ausgelegt hat, auf Ort und Stelle vom Blitz erschlagen, zur Salzstangesäule erstart wäre, von einem Loch bis in die Hölle verschluckt worden wäre oder irgendwelche sonstigen Hinweise aufgetreten wären, die die Wahrheit seiner Aussage in Zweifel gezogen hätte. Wieso also überhaupt Aberglauben nutzen, um Zeugen mehr oder weniger gut einzuschüchtern?

Was ist mit dem Schwur eines Atheisten, welcher statt einem Schwur auf irgendeinen Stapel Zettel lediglich „ernsthaft, aufrichtig und ehrlich“ aussagen müssen (solemnly, sincerely and truly affirm). Wird dem weniger geglaubt? Oder was ist mit Vorurteilen von Geschworenen (oder dem Gericht) gegenüber irgendeiner Glaubensrichtung? Glaubt man einem Christ mehr als einem Moslem, Buddhist, Mormonen,…? Warum muss vor einem auf Tatsachen basierenden Gericht eine Unterscheidung gemacht werden? Wird nicht durch die unterschiedliche Behandlung gerade erst ermöglicht, dass irrationale Gründe möglicherweise ein Gerichtsurteil beeinflussen?

So wird demnächst der Prozess neu gestartet, mit neuen Geschworenen, und zusätzlichen Kosten für die Gesellschaft … mein Vorschlag: Nehmt irgend ein Pad, und bevor der Zeuge seinen Eid ablegt, soll er halt das Buch seines Glaubens auswählen, welches anschließend angezeigt wird … Problem gelöst …

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