Natürliche Immunität gegen Covid ist besser … wirklich?

Für alle „TL;DR“ Fans: „Ja, aber …“

Im Netz geistern verschiedene Videos und Texte rum, die sich auf Studien u.a. aus Israel berufen und angeben, daß die natürliche Immunität gegen Covid (also eine überstandene Infektion mit dem Virus) besser gegen eine neuerliche Infektion wirken als die durch Impfung erworbene. Es werden in den Studien dabei Faktoren zwischen 8 und 27 fach genannt. Doch während manche Informationen wenigstens halbwegs sachlich und fachlich richtig berichten, nutzen Impf-Gegner die Informationen für ihre irreführende Propaganda, wie üblich ohne wirklich umfänglich über das Problem nachzudenken …

Kommen wir zunächst zu den Fakten. Ich beziehe mich hier auf Informationen aus einer Vorveröffentlichung (ohne Peer-Review-Prozess) dieser Studie: Link

Dabei wurden aus Vergleichsgruppen insgesamt jeweils 16215 geimpfte und genesene Personen betrachtet, bei denen insgesamt 257 Covid-Fälle auftraten. Die Studie kommt letzten Endes zu dem Schluß, daß die Wirkung von durch Infektion erworbener Immunität besser gegen eine Neuinfektion oder deren Folgen schützt als die Impfung mit dem BioNTech Wirkstoff. Dabei lag die Wahrscheinlichkeit einer Infektion oder Re-Infektion für Geimpfte etwa 13x höher (allerdings unter der Anmerkung, daß aufgrund möglicherweise fehlender Tests bei nicht-symptomatischen Erkrankungen der Faktor anders aussehen könnte). Eine symptomatische Erkrankung trat im Verhältnis von sogar 27:1 auf. Schwere(re) Erkrankungen, die zu einer Hospitalisierung führten, traten bei geimpften 8fach häufiger auf (8 Geimpfte vs. 1 Ungeimpft).

In einer zweiten Betrachtung, bei der die Zeit seit der Erstimpfung/Ersterkranung nicht beachtet wurde, lag der Faktor von Geimpft zu Ungeimpft etwas niedriger (zwischen etwa 6 und 7-fach für alle Fälle).

In einer dritten Betrachtung, bei der Genesene mit Genesenen mit einer Impfdosis verglichen wurde, lag die Wahrscheinlichkeit für Erkrankung sowie symptomatischer Erkrankung für die Gruppe letzterer dagegen nur bei gut der Hälfte gegenüber den Genesenen ohne nachfolgende Impfung.

Wie die Studie auch erwähnt, gelten verschiedene Einschränkungen bezüglich der Aussagekraft. So wurden die Ergebnisse ausgewertet, während die Delta-Variante die dominierende Version des Corona-Virus war. Somit sind Aussagen zu anderen Varianten nur mit Vorsicht möglich. Darüber hinaus wurde ausschließlich bezüglich des BioNTech Impfstoffs ausgewertet, in wiefern die Ergebnisse auf die anderen Vaccine übertragbar sind ist somit auch unklar. Auch die Wirkung der Booster-Impfung, wie sie in Israel und anderen Ländern derzeit läuft, sind noch unklar. Weiterhin wurde das soziale Verhalten der untersuchten Personen nicht ausgewertet, wie Social Distancing oder Maskennutzung – gerade dies könnte in einer Alltagsstudie aber die Gefahren für Geimpfte erhöhen, die aufgrund Ihres Verhaltens höhere Risiken eingehen als ungeimpfte Personen.

Vorerkrankungen hatten in der Studie dagegen wenig Auswirkungen auf das Gesamtergebnis.

Soweit, so gut …

Man kann also feststellen, daß die allgemeine Aussage, daß eine überstandene Covid19-Infektion besser gegen eine erneute Erkrankung schützt als die Impfung somit – auf Basis dieser einen Studie – zumindest als möglich oder wahrscheinlich ansehen. Dies ist aber bei vielen Schutzimpfungen so.

Es gibt einige Krankheiten, bei denen die Schutzimpfung eine spätere Erkrankung quasi komplett verhindert, oder besser wirkt als genesen zu sein. Dazu gehören zum Beispiel Impfung gegen Kinderlähmung, Windpocken, Masern, HPV, Pneumokocken und andere. Dagegen haben zum Beispiel Impfungen gegen Grippe primär den Zweck, nicht die Infektion zu verhindern, sondern die Auswirkungen auf den Menschen zu reduzieren bzw. minimieren.

Nur nochmal zur Erinnerung: weltweit sind bisher aktuell über 240 Millionen Erkrankungen an Covid19 bekannt. Diese führten in knapp 5 Millionen Fällen zum Tod der Infizierten Person. Das heißt, daß von 100 Erkrankten etwa 2 sterben. Ja, natürlich gibt es Abstufungen hinsichtlich Alter oder Vorerkrankungen, aber wer bitte kann – darf – sich anmaßen, den Wert eines Menschen aufgrund seines Alters oder Vorerkrankungen herabzusetzen??? Außer vielleicht irgendwelche Soziopathen.

Weiterhin haben wir das Thema Long Covid – etwas, was gerade Impf-Kritiker/Verweigerer ja sowieso abstreiten, obwohl es sehr wohl erforscht wurde und wird. Die langfristigen Auswirkungen auf den Gesundheitszustand von Erkrankten sind real! Nach verschiedenen Studien liegt die Zahl derer, die deutlich über die Dauer der eigentlichen Covid-Erkrankung an Einschränkungen des Gesundheitszustands leiden, mit zwischen 20 und 80%(!) angegeben (einige Studien wurden hier gesammelt).

Diese Zahlen – selbst wenn man „nur“ die 2% Sterblichkeit und „nur“ 20% Long Covid ansetzt – muß ins Verhältnis zu den bisher aufgetretenen Fällen von Impfschäden (die eh schon selten, und davon in den allermeisten Fällen durch kurze Behandlung komplett geheilt wurden) setzen. Und nein, die üblichen Grippe-artigen Symptome oder ein 2-3 Tage lang schmerzender Arm kann man in dem Zusammenhang NICHT als relevante Komplikation ansehen. In diesem Bericht des Paul Ehrlich Instituts wurden schwerwiegende Nebenwirkungen in etwa einer von 10000 Impfungen festgestellt. Der Bericht, der die ersten 8 Monate der Impfungen in Deutschland abdeckt (27.12.20 – 31.8.21) umfaßt Ergebnisse von etwa 102 Millionen Impfungen. Bei diesen etwa 50+ Millionen Menschen wurden in 0.1% der Fälle Nebenwirkungen gemeldet, die aber weitgehend unter die Klassifizierung „Grippe-Symptome“ fallen („Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Ermüdung und Fieber“) – also keine Nebenwirkung, sondern Ergebnis der Immun-Reaktion des Körpers. Und auch nach 3 Tagen erledigt.

Wirklich erwähnenswerte Fälle von Nebenwirkungen (AESI, Adverse Events of Special Interest) traten bei den gut 50 Millionen Personen nur in insgesamt etwa 1600 Fällen auf. Insgesamt wurden 15 Todesfälle in Zusammenhang mit den Impfungen erfaßt. 15. Von gut 50 Millionen Menschen. Das sind 0,00003%, oder 3 von 100000 geimpften Menschen. Wir erinnern uns, 2 von 100 ungeimpft Erkrankten sterben, 20 und mehr leiden längerfristig an den Folgen von Covid19. Wie kann man dann als auch nur halbwegs des Denkens fähiger Mensch bevorzugen, ungeimpft zu erkranken, anstatt sich durch Impfung vor den Folgen der Erkrankung zu schützen??? Und selbst wenn die Impfung nicht so effektiv wie die Erkrankung ist was den Schutz vor erneuter Erkrankung angeht – das knapp 70000x geringere Risiko an der Erlangung der Immunisierung zu sterben relativiert das höhere Risiko einer späteren Breakthrough-Erkrankung ja wohl ausreichend!

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